Umweltgeschichte Geschichte, Natur, Tiere

Wie schade, dass der Dodo kein Diricawl ist

Der Diricawl – was ist das?

Hast du ein Lieblingswesen im Harry Potter-Universum von Joanne K. Rowling? Bei mir ist das eindeutig der Fall: nämlich den Diricawl. Wer wissen möchte, wie er aussieht, kann hier ein schönes Bild von ihm ansehen (und ein bisschen Englisch wiederholen). Denn als sogenannte „Bildbeschreibung“ ist bei manchen Abbildungen, aber keineswegs bei allen klein und winzig eine Kurzbeschreibung abgedruckt. Aber nur, wer scharfe Augen hat wie ein Adler, kann lesen, was dort steht. Deswegen tippe ich es zur Sicherheit nochmals ab: A Diricawl is a plump, fluffy feathered and flightless bird. The Diricawl has the ability to disappear and reappear in a puff of feathers as a means of escaping danger. Muggles are aware of the existence of the Diricawl as a Dodo. However, since Muggles are not aware of its ability to vanish at will, they believe they have hunted the Diricawl to extinction. Weil der Text viele neue und auch recht spezielle Wörter enthält, versuche ich eine Übersetzung für dich. Die wird manchmal total nahe am Original sein und dann wieder ein Stückchen weiter weg. Das ist beim Übersetzen eigentlich immer so, und zwar in jeder Sprache, denn keine gleicht der andern so genau, dass man alles 1:1 übernehmen kann.

Mein Vorschlag ist also: „Ein Diricawl ist ein plumper, flauschig gefiederter und flugunfähiger Vogel. Der Diricawl hat die Fähigkeit, in einer Explosionswolke aus Federn zu verschwinden und wieder zu erscheinen – als Mittel, einer Gefahrensituation zu entkommen. Muggles wissen um die Existenz des Diricawls. Sie kennen ihn als Dodo. Aber da die Muggles keine Ahnung haben, dass er gewollt unsichtbar werden kann, glauben sie, dass sie den Diricawl so lange gejagt haben, bis er ausgerottet war.“

Von Dodos und Orang-Utans

Dodo © Wikimedia Commons

Dodo © Wikimedia Commons

Traurig, oder? Der Dodo, den es seit über 300 Jahren nicht mehr gibt, ist heute das Wappentier der Insel Mauritius, die seine Heimat war. Der Dodo war groß und schwer, ein bisschen langsam, und er konnte nicht fliegen. Außerdem legte ein Dodo immer nur ein Ei. Deswegen hatten Dodos wenige Nachkommen – so wie bei den Säugetieren heute die Orang-Utans, die „Waldmenschen“ Borneos und Sumatras.​

Eine Orang-Utan-Mama behält ihr Baby über viele Jahre bei sich, weil sie es liebt und ihm unglaublich viel beibringen muss: das Klettern, das Unterscheiden essbarer und heilender Pflanzen von giftigen, den Gebrauch von Werkzeug. Wir Menschen haben die Pflicht, diese gescheiten und gefühlvollen Lebewesen zu beschützen, ihnen Platz zum Leben zu lassen und nicht den Wald, der ihnen gehört, für Palmölplantagen abzuholzen. Menschenaffen gehören zu unseren nächsten Verwandten. Viele Menschen haben das verstanden, aber leider noch nicht alle. Beim Dodo war das vor mehr als 300 Jahren nicht anders, ja, eigentlich war es noch viel schlimmer.

Das traurige Ende der Dodos

Auf Mauritius hatte der Dodo keine natürlichen Feinde. Er wusste daher nicht, dass er besser so schnell er nur konnte weglaufen sollte, als zum ersten Mal europäische Seefahrer die Insel erreichten. Sie fingen Dodos, weil sie ihnen gefielen und sie zu Hause herzeigen wollten, was sie entdeckt hatten. Sie aßen ihre Eier, weil sie ihnen schmeckten. Sie nahmen lebendige Dodos auf ihre Schiffe mit, damit sie auch auf See Verpflegung hatten: Ein Dodo war um so viel größer als ein Huhn, eine Gans oder eine Ente… Und irgendwann war der letzte Dodo gefangen. Eine ganze Art – Spezies nennen das die Wissenschaftler*innen – war für immer verschwunden von unserem Planeten.

Joanne K. Rowling hat in ihrer Phantasie ein schöneres Ende für den Dodo gefunden: Sie lässt uns alle durch ihre wunderbare Idee, dass er immer noch da ist, dass das aber nur die Zauberer und Hexen wissen, die „normalen“ Menschen aber nicht, nachdenken über die Verantwortung, die wir Menschen haben – gegenüber den Mitgeschöpfen und der Umwelt.

… und ein bisschen Hoffnung!

Das Corona-Virus hat unser Leben verändert. Wir sind achtsamer geworden. Und gemeinsam werden wir es auch schaffen, stärker zu sein als dieser gefährliche Krankheitserreger. Vielleicht wird das dauern, aber es wird gelingen. In der Zwischenzeit ist weltweit der Verkehr weniger und die globale Umweltverschmutzung um so viel geringer geworden, dass sich Tiere und Pflanzen Lebensräume – man spricht vom „Habitat“ – zurückerobern. Wenn wir diese Botschaft aus der derzeitigen Krise mitnehmen und auch danach, wenn alles wieder „normal“ ist, daran denken und danach handeln, dann haben wir Wesentliches geschafft und machen nicht denselben Fehler, den die Menschen beim Dodo begangen haben, noch einmal. Denn eine ausgestorbene Art kann niemand von uns jemals wieder zurückholen. Der Diricawl ist eben leider kein Dodo.

Sonja Schreiner

Studium: Vergleichende Literaturwissenschaft, Latein und Französisch
Universität/Fachhochschule: Universität Wien und Veterinärmedizinische Universität Wien
Forschungsgebiet: Klassische Philologie, Mittel- und Neulatein
Besonders interessant finde ich: Literatur, Musik, Tiere und Natur
Meine tierischen Wegbegleiter*innen: Zwei Beagles und eine Landschildkröte

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